Was ist Plastination?

Spätestens seit den berühmten „Körperwelten“-Ausstellungen dürfte der Begriff Plastination vielen geläufig sein. Er benennt ein Konservierungsverfahren, das bei der Herstellung anatomischer Präparate Anwendung findet. Doch was genau steckt wirklich dahinter? Wie funktioniert Plastination?

Plastination © imipolex - Fotolia.comEine Methode, menschliches, tierisches oder pflanzliches Gewebe durch Einbettung in Kunststoff haltbar zu machen, war bereits aus der Histologie bekannt. Dieses Teilgebiet der Anantomie und Pathologie befasst sich mit der Untersuchung von Gewebeproben. Dazu müssen die entsprechenden Stücke einer umfassenden Bearbeitung unterzogen werden, die unter anderem das Eingießen der Präparate in Paraffin bzw. den Austausch von Gewebsflüssigkeit durch Kunststoff beinhaltet.

Der deutsche Anatom Gunther Gerhard von Hagens stellte sich die Aufgabe, diese Prozesse und deren Ergebnisse zu optimieren. Nach experimentellen Versuchen entwickelte er daraus 1977 die Plastination. Von Hagens ließ sich das Verfahren patentieren und verbesserte es kontinuierlich weiter. Heute können auf diese Weise auch große organische Präparate von Körperteilen oder ganzen Körpern angefertigt werden.

Die Technik der Plastination läuft wie folgt ab:

Fixierung: Um den natürlichen Verwesungsprozess eines toten Organismus zu stoppen, Bakterien abzutöten und den Zerfall des Gewebes zu verhindern, wird Formalin in den Körper gepumpt.

Präparation: Die einzelnen anatomischen Strukturen werden durch Entfernung der Haut sowie des Fett- und Bindegewebes freigelegt bzw. herausgearbeitet.

Entwässerung: Dem Präparat wird sämtliches Gewebswasser entzogen. Zu diesem Zweck wird es komplett in -25 Grad kaltes Aceton gelegt.

Entfettung: Dem Präparat wird eventuell vorhandenes Körperfett entzogen. Dazu wird das Acetonbad auf Raumtemperatur erwärmt.

Forcierte Imprägnierung: Das nun im Präparat enthaltene Aceton wird gegen Kunststoff ausgetauscht. Um diesen Vorgang, die eigentliche Plastination, zu vollziehen, wird das Präparat in flüssigen Kunststoff eingebracht und unter Vakuum gesetzt. Dadurch beginnt das Aceton zu sieden und tritt in Form von Gasblasen aus, die abgesaugt werden. Der dadurch entstehende Unterdruck saugt die Kunststofflösung in das Gewebe hinein. Nach Abschluss des Austausches ist das Präparat bis in die letzte Zelle mit Kunststoff durchtränkt.

Positionierung: Das noch flexible Präparat wird in die gewünschte Stellung gebracht und mit mechanischen Hilfsmitteln wie Draht, Klammern oder Schaumstoffblöcken stabilisiert. Im Interesse eines natürlich wirkenden Ergebnisses erfordert dieser Schritt neben Sachkenntnis viel Gestaltungsgeschick und ästhetischen Sinn.

Härtung: Entsprechend seiner Art wird der verwendete Kunststoff mittels Gas, Wärme oder UV-Bestrahlung gehärtet.

Schneiden und Schleifen: Dieser letzte Schritt ist ausschließlich den so genannten Scheibenplastinaten vorbehalten. Sie werden nach der Härtung in dünne Scheiben geschnitten und gegebenenfalls nachgeschliffen, um gezielte anatomische Einblicke zu gewähren oder Strukturen besonders deutlich hervorzuheben.

Die durch von Hagens angewandte Präsentation seines innovativen Verfahrens wird nicht nur in Fachkreisen heftig diskutiert. Doch neben Zündstoff für viele hitzige Debatten bietet sie vor allem einen faszinierenden und wortwörtlich plastischen Einblick in die Wunderwelt menschlicher und tierischer Körper.

Die Plastination stellt keine Bestattung im Sinne des § 32 Abs. 1 BestattG dar. Das Verfahren ist also nicht der Bestattung zu zu rechnen, vielmehr wird der plasitnierte Körper in der Medizin und für Austellungen als Anschauungsobjekt genutzt. Eine Beisetzung zum Beispiel auf einem Friedhof entfällt folglich.

Interessante Quellen: